Die berufliche Grundbildung Hotel-Kommunikationsfachfrau/-mann EFZ (Hoko) der SSTH Hotelfachschule Passugg bildet gefragte Allrounder für die Hotellerie aus. Eine wichtige Berufsperspektive stellt das Studium Dipl. Hôtelière-Restauratrice/Hôtelier-Restaurateur HF an der Höheren Fachschule dar. Ab Sommer 2018 startet in Passugg für HF-Absolventinnen und HF-Absolventen der Bachelor of Science (BSc) in Hospitality Management der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO). André Witschi, President of the Board of Governors an der École hôtelière de Lausanne, gibt Auskunft über diesen wichtigen Ausbildungsschritt an der SSTH.

Das Interview mit André Witschi führte Martin Michel, stellvertretender Leiter Amt für Höhere Bildung Graubünden

Herr Witschi, welchen Bezug haben Sie persönlich zur Hotellerie?
Ich bin seit über 60 Jahren mit diesem Gewerbe verbunden, ich bin in einem kleinen Hotel aufgewachsen und habe mein ganzes Berufsleben in dieser Branche verbracht. Von daher bin ich von Kindesbeinen in dieser Branche zu Hause und fühle mich darin sehr wohl.

Welche Position nimmt die SSTH Swiss School in der Hotellerie-Ausbildung ein?
Die SSTH ist Teil der École-hôtelière-de-Lausanne-Gruppe (EHL). Diese Gruppe folgt seit 2012 einer Qualitäts-und Wachstumsstrategie. In diesem Zusammenhang haben wir 2014 die SSTH in die Gruppe aufgenommen. Der Auftrag der SSTH innerhalb der Gruppe ist ganz klar, potenziellen Nachwuchs für die Hotellerie vom Handwerklichen ins Akademische zu führen. Das heisst, wir haben die berufliche Grundbildung HOKO, danach die Höhere Fachschule in Deutsch und in Englisch, die einzige Schule zurzeit, die ein englisches, nationales Diplom hat – und ab diesem Jahr werden drei Semester auf das Höhere Fachschuldiplom aufgesetzt. Dies führt dann zu einem staatlichen Bachelor der Fachhochschule Westschweiz als Abschluss.

Somit startet der Bachelor in Hotellerie an der SSTH im Herbst 2018?
Richtig, dies wird ein Bachelor sein mit dem Abschluss «International Hospitality Management». Der Bachelor findet hier an der SSTH in Passugg in englischer Sprache statt. Der Bachelor wird in Passugg an der SSTH unter der Verantwortung der École hôtelière de Lausanne durchgeführt. Deshalb bekommen die erfolgreichen Studentinnen und Studenten ein Bachelor-Diplom der HES-SO, Haute école spécialisée de Suisse occidentale. Dies ist ein staatlicher Bachelor. Es ist mir sehr wichtig dies zu unterstreichen, denn nur mit einem solchen Titel kann man in einer späteren Phase der Karriere weitere Top-Ausbildungsstätte auf der ganzen Welt besuchen, weil Bologna-Credits angerechnet werden. Dies im Unterschied zu Bachelors, die diese Qualität nicht haben.

Wo findet die Bachelor-Ausbildung statt und wie lange dauert sie?
Die Bachelor-Ausbildung dauert im Anschluss an die Höhere Fachschule drei Semester. Zwei Semester finden in Passugg und eines in Lausanne statt, weil dort die Segmentierung nach vielen verschiedenen Zielrichtungen gemacht werden kann, was aber grössere Klassen voraussetzt.

Beschreiben Sie das Bachelor-Semester an der EHL in Lausanne.
Die EHL hat im Rahmen der Qualitäts- und Wachstumsinitiative von 2012 die Schulgebäude neu gestaltet. Aktuell wird ein neuer Campus für 1’000 Studierende und ein Village d’innovation gebaut. Dieses Innovationsdorf ist in diesem Gewerbe etwas Einmaliges. Die Ausbildung im letzten Semester erfolgt deshalb in Lausanne, weil es im Umfeld dieses grossen Campus diverse attraktive Spezialisierungsmöglichkeiten gibt.

Wie muss man sich Ihre Funktion bei der künftigen Entwicklung der Hotelfachschule Lausanne vorstellen?
Ich habe die Chance, seit gut 15 Jahren für die École hôtelière de Lausanne tätig zu sein. Zuerst als Stiftungsrat und seit 2012 als Stiftungsratspräsident. Wir, das heisst der Stiftungsrat der École hôtelière de Lausanne, wie auch die leitenden Gremien des Verbands Hotellerie Suisse sind überzeugt, dass wir mit unserer Ausbildung eine gute Basis für eine erfolgreiche Karriere im Hotelgewerbe anbieten – und diese Chance möchten wir mehr jungen Leuten geben.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit der SSTH Passugg mit der EHL in Lausanne vorstellen?
Für die EHL in Lausanne ist es sehr wichtig, eine direkte Verbindung zu Graubünden, einer der wichtigsten Tourismusdestinationen in unserem Land, zu haben. Die Zusammenarbeit ist vielfältig, fängt beispielsweise im Vorbereitungsjahr von Lausanne an, in welchem sich internationale Studierende auf das EHL-Studium vorbereiten. Ab Februar 2018 wird ein Teil des Vorbereitungsjahres in Passugg angeboten, damit die künftigen Studierenden des Bachelorprogramms in Lausanne ein weiteres Spektrum der Schweizer Hotellerie kennenlernen. Das ist ein Teil der Zusammenarbeit. Ebenfalls eine wichtige Zusammenarbeit resultiert aus dem Umstand, dass für die EHL in Lausanne nach wie vor ein gewaltiger Nachfrageüberhang besteht. Die Gründe für die anspruchsvollen Eintrittskriterien liegen darin, dass wir die Besten auswählen. Mit der SSTH haben wir die Möglichkeit, Studierenden mit einem HF-Abschluss dank verkürzter Studiendauer die gleiche Anzahl Bologna-Credits für ein sehr praxisnahes Studium zu vergeben.

Wo sehen Sie die SSTH in fünf bis zehn Jahren?
Dazu habe ich eine ganz klare Vision. Ich bin überzeugt, dass die Abgänger der SSTH die Höhere Fachschule durchlaufen und nach den drei Semestern für den Bachelor eine ausgezeichnete Position in der Hotellerie einnehmen werden. Weil sie handwerklich gut ausgebildet sind und sich den akademischen Teil dazu erworben haben, werden sie in dieser Branche ausserordentlich stark nachgefragt werden.

Welchen Stellenwert messen Sie der Ausbildung im Hotelgewerbe zu?
Ich bin überzeugt, eine gute Basisausbildung ist grundlegend, weil wir in wechselhaften Zeiten leben. Da ist es aus meiner persönlichen Erfahrung wichtig, die Grundprinzipien und die Grundelemente des Berufs zu kennen und deshalb mit allem, was neu kommt, einfacher umgehen kann. Als ich seinerzeit die Ausbildung im Hotelfach begann, erfolgten noch Reservierungen über Telex. Heute kommen sie übers Smartphone. Wenn ich nicht weiss, wie eine Reservierung geht, dann kann ich dies weder mit Telex noch mit einem Smartphone vornehmen. Darum muss die Grundausbildung stimmen; diese Basis ermöglicht es mir zu wissen, was passieren kann und wie ich neue Tools anwenden und in meinen Berufsalltag einbauen kann.

Welche Position nimmt die EHL in der nationalen und internationalen Hotellerie-Ausbildung ein?
Unsere Stärke ist es, die Branche hinter uns zu haben, weil wir sehr eng mit dem Verband Hotellerie Suisse zusammenarbeiten. Zudem setzen wir uns ständig mit den Anforderungen der Zukunft auseinander. Deshalb werden wir in Lausanne dieses Jahr ein Village d’innovation aufbauen. Zur Erreichung dieser wichtigen Zielsetzung haben wir seit über einem Jahr einen Directeur d’innovation, der für die Hotellerie die weltweite Entwicklung in Start-ups und die Entwicklungen in der Ausbildung beobachtet. Diese Erkenntnisse fliessen in das Village d’innovation ein, welches wir direkt neben der Universität in Lausanne einrichten. Dort wird es Flächen geben, wo wir eine Beratung aufziehen; zusätzlich stellen wir – in grösserem Rahmen als dies bereits heute geschieht – Arbeitsflächen für Start-ups zur Verfügung und ermöglichen unserer Fakultät, verstärkt in Forschung und Entwicklung zu arbeiten. Wichtig wird künftig im Centre d’innovation auch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie und dem Gewerbe sein. Dieses befindet sich nur einen Steinwurf von einem Innovationszentrum von Nestlé entfernt. Dies erleichtert einen guten Spirit für Innovationen.

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