Die Swiss School of Tourisrn and Hospitality (SSTH) in Passugg befindet sich im Umbruch. Langfristig will die Schule von 250 auf 600 Studierende wachsen. Dafür sind Investitionen nötig, wie Direktor Knut Rupprecht erzählt.

Zwei Jahre ist es her, dass die weltbekannte Ecole hôtelière de Lausanne (EHL) 75 Prozent des Aktienpaketes an der Hotelfachschule Passugg (SSTH) übernommen hatte. Das «in Seenot geratene Schiff», wie das «Bündner Tagblatt» am 22. November Guglielmo L. Brentel, damals Präsident von Hotelleriesuisse, zitierte, könne nun wieder flottgemacht werden. «Auch wenn die See noch rau ist», so Brentel.

Und rau, das ist sie. Im laufenden Jahr hat die SSTH mit 250 Personen so wenige Studierende wie noch nie in ihrer 50-jährigen Geschichte. Das ist von Knut Rupprecht zu erfahren, der die Geschicke der Schule seit 1. März 2014 als Direktor leitet. «Dies war aber gemäss Businessplan erwartet, da die letzten starken Jahrgänge die Schule verlassen haben. Wir sind aber jetzt auf dem richtigen Weg, damit diese Schule wieder die Studierendenzahl erreicht, die sie einmal hatte», zeigt sich Rupprecht zuversichtlich.

Bachelor- Lehrgang ab 2018

Mit der Übernahme der SSTH durch die EHL, die inzwischen über 90 Prozent der Aktien besitzt, hat sich die Ausbildung in Passugg im Niveau stark erhöht, wie Rupprecht ausführt. «Wir spielen jetzt in einer anderen Liga als vorher.»

Ein erster Schritt in eine erfolgreiche Zukunft sei die Neubesetzung der Geschäftsleitung gewesen. Bewährt habe sich auch, dass in Lausanne der akademische Weg angeboten werde, in Passugg die praxisbezogene Ausbildung. «Jetzt wollen wir die Brücke herstellen zwischen der Berufsbildung und der akademischen Bildung», erläutert Rupprecht. Ab 2018 soll dazu der erste Bachelor-Lehrgang im Schulhotel in Passugg eingeführt werden. Der Bachelor of Science in International Hospitality Management, nach dem Lehrplan der EHL, richtet sich an Absolventen der Höheren Fachschule (HF), die nach ihrer Ausbildung drei Semester des anerkannten Bachelors in Englisch anhängen können.

Die ersten Studierenden aus dem neuen HF-Studium in Passugg, das letzten Sommer gestartet ist, können im Herbst 2018 mit dem Bachelor loslegen und sind danach laut Rupprecht für einen Master an allen Universitäten zugelassen. Die EHL und ab 2018 auch Passugg bieten damit den einzigen Hospitality- Bachelor in der Schweiz an, der vom Bund anerkannt und am Bologna-System angeschlossen ist. «Das ist ein Pilotprojekt in der Schweiz», so Rupprecht, «und für uns sehr spannend, hier die Vorreiterrolle spielen zu können.» Er sei überzeugt, dass das die Zukunft sei.

Denn die Komplexität für die Führung eines grösseren Hotels (ab 150 Betten) ist laut dem Direktor «unheimlich angestiegen». «Die Zeit, als ein Tellerwäscher zum Hoteldirektor aufsteigen konnte, ist vorbei.» SSTH-Absolvierende, die eine breite Praxisausbildung erhalten und gleichzeitig den konzeptionellen Ansatz erlernen, «sind für diese Industrie ideal». Gerade im internationalen Markt stösst das duale Schweizer Modell, welches die berufliche und akademische Ausbildung kombiniert, auf grosses Interesse. In vielen Ländern herrsche eine Überakademisierung. Das führe zu einer hohen Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen, «da sie nicht auf die Arbeitswelt vorbereitet wurden», so Rupprecht. Das HF-Programm der SSTH, wo die Studierenden sowohl eine praktische (Praktikum) als auch akademische Ausbildung geniessen, sei eine Option, die andere Länder so nicht kennen würden. «Doch dieses System zu erklären, ist die grosse Herausforderung», erklärt er. Es gebe aber auch Märkte in Asien, wie beispielsweise Singapur, die das Schweizer Modell mit beiden Laufbahnen schon anbieten würden, oder Südkorea, wo die Politik das duale Modell fördern wolle.

Investitionen von zwei Millionen

Änderungen gibt es auch beim Programm der Gastgewerblichen Fachschule Graubünden (GFG). Seit 1995 bildet die GFG in Passugg junge Leute zu Hotel- und Gastrofachleuten aus und machte Graubünden damit zum Vorreiter in dieser Ausbildung. Laut Knut Rupprecht wird das Programm ab 2017 durch die Ausbildung Hotelkommunikationsfachfrau/- fachmann EFZ ersetzt. «Auch hier hoffen wir auf starken Zuwachs», sagt er.

Und Zuwachs kann das Schulhotel gebrauchen. Mit der Einführung des neuen HF-Programms, des Bachelors und der neuen Ausbildung basierend auf dem GFG-Programm will die Schule für ebendiesen Zuwachs sorgen. «Wir wollen bis 2020 um die 450 Studierende haben», formuliert Rupprecht das Ziel. Längerfristig sollen es maximal 600 sein, also 450 Studierende auf dem Campus, 150 im Praktikum. «Das entspricht Zahlen, welche diese Schule vor einigen Jahren schon mal hatte», weiss er zu berichten. Dieses Wachstum hat Investitionen zur Folge. Wie der Schuldirektor ausführt, sollen bis 2017 rund zwei Millionen Franken in die Infrastruktur investiert werden. Damit kommt die Schule dem Vertrag mit dem Kanton nach, der vorsieht, dass bis 2017 jährlich 600 000 Franken in die Infrastruktur fliessen. Bereits vier Millionen seien für Erneuerungen eingesetzt worden.

Weiterer Investitionsbedarf sei in der Küche vorhanden sowie beim Zimmerangebot für die Studierenden. «Die Küche ist immer noch eine Hotel- und keine Unterrichtsküche», bemerkt Rupprecht. Nicht ausgebaut werden müssten die Unterrichtsräumlichkeiten. In welchem Umfang die Investitionen konkret erfolgen werden, soll im Frühling entschieden werden.

Auch wenn die Schule punkto Studierendenzahl wachsen will, soll es weiterhin kleine Klassen geben, stellt Rupprecht klar. «Wir haben maximal 30 Studenten in einer Klasse. Das ist unsere Stärke.» Mit dieser «familiären Stimmung» will sich das Schulhotel auch gegenüber der EHL, mit notabene 2500 Studierenden auf dem Campus, profilieren. «Auch wenn die Marke EHL ein wahnsinnig starker Motor ist, um unsere Marke aufzubauen, bleibt Passugg eigenständig.»

Der internationale Markt im Visier

Nach wie vor unterstützt die EHL die SSTH beim Liquiditätsbedarf, denn noch ist die Anzahl Studierende zu tief für einen rentablen Betrieb. Rupprecht ist aber zuversichtlich, dass es ab nächstem Jahr wieder aufwärtsgeht. «Ab dem Semester 2017/18 werden wir etwa 350 Studierende haben», sagt er. Das im Ausland wenig bekannte akademische und berufliche Ausbildungsangebot habe die Schule im internationalen Markt zurückgestellt. Das will die neue Geschäftsleitung nun ändern und vor allem international für das Angebot weibeln. Gerade in Asien habe sich die Hotellerie enorm entwickelt, entsprechend gross sei die Nachfrage nach Kadermitarbeitenden. «Mit unserer Swissness geniessen wir im Ausland als Ausbildungsstätte hohe Attraktivität.» Abschliessend sagt Rupprecht, dass 2016 ein sehr wichtiges Jahr für die SSTH werde. «Wir müssen beweisen, dass wir im Aufschwung sind und die Pumpe jetzt läuft.»

Artikel von Nadja Maurer erschienen im Bündner Tagblatt

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