Auch wenn auf den ersten Blick der berufliche der grössere Nutzen zu sein scheint - bei einem Alumni-Netzwerk gehe es nicht immer nur ums Geschäft, betont Maria Ramstad Kristiansen von der Swiss School of Tourism und Hospitality SSTH in Passugg. Die SSTH-Community biete ein persönliches und gleichzeitig wertvolles Vernetzen mit Berufskollegen.

Maria Ramstad Kristiansen, Sie sind Alumni-Direktorin der SSTH. Warum braucht es so ein Ehemaligen-Netzwerk in Social-Media-Zeiten überhaupt noch?

Das Alumni-Netzwerk ist eine wichtige Möglichkeit für ehemalige Studenten, um mit der Schule in Kontakt zu bleiben. Unser Alumni-Netzwerk hilft der Schule, ihren “Spirit” und ihr Engagement besser zu vermitteln, indem sie Alumnis mit Informationen versorgt, bei welchen Social Medias an ihre Grenzen stossen. Im Gegensatz zu Social Medias bieten wir eine echte Beziehung zur Schule, persönliche sowie individuelle Aufmerksamkeit, denn Dienstleistungen dieser Art können nur von Leuten, die die Materie und die Bedürfnisse kennen, erbracht werden. Der Erfolg einer starken Alumni-Beziehung liegt darin, die Alumni laufend über Events, Neuigkeiten und Aktivitäten zu informieren und sie so nach ihrem Abschluss mit der Schule verbunden und involviert zu behalten. Social Medias hingegen sind ein nützlicher Kommunikations- und Informationskanal, um miteinander in Verbindung zu bleiben. Um die eigenen Alumni auf dem Laufenden zu halten und um ihren Enthusiasmus für die SSTH nicht abflauen zu lassen, braucht es jedoch Personen, an welche sie sich wenden können und die ihre Bedürfnisse und Wünsche verstehen. Unsere Alumni sehen wir als “Botschafter” für unsere Schule und für unsere Marke “SSTH”; sie können unsere Studenten in Bezug auf Praktikas, Jobs und wichtige Fragestellungen unterstützen und zudem der Schule möglicherweise gar wertvolle Partnerschaften und Ressourcen beisteuern.

Sie sind selber Alumni und haben vor 11 Jahren Ihre Ausbildung an der SSTH abgeschlossen. Was bringt das Alumni-Netzwerk einer Ehemaligen?

Genau, ich selber bin auch eine Alumni und habe meinen Abschluss im Jahre 2005 gemacht. Damals lag der Hauptgrund für meinen Umzug in die Schweiz darin, einen neuen Weiterbildungsweg bei der SSTH einzuschlagen. Meine Entscheidung für die SSTH basierte hauptsächlich auf Empfehlungen durch den damaligen CEO meines Arbeitgebers sowie einige SSTH-Alumni. Diese Alumni haben mir eine Vielzahl von Informationen über die einzelnen Studienprogramme mitgegeben, aber auch Eindrücke über das Leben auf dem Campus selber vermittelt. Diese Informationen waren für mich sehr viel realistischer und wertvoller als diejenigen, welche auf den Broschüren zu finden waren. Der Zusammenhalt zwischen den Alumni fasziniert mich immer wieder: Man teilt ein gemeinsames Erlebnis namens “SSTH” - eine gemeinsame Erfahrung, die für den jeweiligen Lebenslauf meist sehr prägend war.

Und wie profitieren Ehemalige sonst noch vom Alumni-Netzwerk?

Das Alumni-Netzwerk ist eine grosse Community bestehend aus persönlichen Kontakten, mit welchen man eben diese eine „SSTH-Gemeinsamkeit" teilt. Durch die eigene Beziehung zu anderen SSTH-Alumni eröffnen sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sein eigenes, berufliches Netzwerk zu erweitern. Frisch diplomierte Studenten haben die Chance, ihr Netzwerk durch andere Diplomanden oder Ehemalige zu erweitern. Ansatzpunkte könnten Praktika, Jobs, Kundenbeziehungen oder Partnerschaften sein, alles wertvolle Karrierechancen. Exklusive Online-Jobangebote stehen allen SSTH-Alumni zur Verfügung. Wie bei vielen anderen Alumni-Organisationen haben die ehemaligen Studenten über die SSTH-Homepage Zugriff auf die bekannt Hosco-Jobplattform. Gerade bei interessanten Jobausschreibungen gehören die SSTH-Alumni zu den ersten, die darüber informiert werden. Besonders wenn man sich selber für eine neue, berufliche Herausforderung interessiert, ist es natürlich wesentlich leichter, wenn man für exakt solche Informationen auf ein bestehendes Alumni-Netzwerk zurückgreifen kann.

Was ist wichtiger: Der persönliche Kontakt oder das berufliche Networking?

Ich denke, es braucht wohl beides. Auch wenn auf den ersten Blick das berufliche Netzwerk den grösseren Nutzen schaffen könnte, bei einem Alumni-Netzwerk geht es nicht immer nur ums Geschäft. Zum Beispiel finden auch regelmässig soziale Events wie der Alumni-Apéro während dem Food-Festival statt. Und gerade solche Events eignen sich wunderbar, um sich mit Studenten, Professoren oder anderen Alumni auszutauschen. Aus solchen Gesprächen und Treffen entstehen manchmal Freundschaften fürs ganze Leben.

Wie halten Sie das Netzwerk lebendig?

Das Wichtigste ist wohl, dass wir als auch die Alumni selber gemeinsam das ganze Netzwerk leben und uns aktiv daran beteiligen. Wir von unserer Seite her bieten unseren Alumni unterschiedliche Dienstleistungen und zudem den Zugriff auf unsere Schulressourcen an. Durch den regen Kontakt über verschiedene Kommunikationskanäle, inklusive Social Medias, bleiben wir am Puls der Zeit, erkennen Trends und erfahren aktuelle Gegebenheiten aus dem Leben der Alumni selber.

Wie wichtig sind regionale Gruppen für das Alumni-Netzwerk?

Unser Netzwerk hängt sehr von den regionalen “Chaptern” ab. Durch diese Chapter, deren Präsidenten und Kommissionen erhält das lokale Alumni-Mitglied Zugang zu einem “SSTH-Hub”, wenn man das so bezeichnen will. Der einzelne Alumni hat so die Möglichkeit, mit der SSTH in Verbindung zu treten oder die Beziehung zu pflegen. Die einzelnen lokalen Chapters stehen in engem Kontakt mit der SSTH. Die Chapters könnte man auch als “verlängerten Arm” der SSTH bezeichnen, dieser reicht soweit, dass die SSTH Einblicke in die berufliche und private Situation der Alumni erhält. Um stets möglichst aktuell zu sein, pflegt die SSTH eine Alumni-Datenbank, die je nach Einsatzmöglichkeit Daten- und Kommunikationskanalselektionen zulässt oder sich ganz einfach auch für die Organisation von Events aller Art eignet.

Um das weltweite Networking zu erleichtern, gründet die SSTH weltweit Alumni-Stämme: Den ersten in Nepal 2014, letztes Jahr folgte der zweite in Dubai. Wo sind weitere geplant?

Unser erstes, offizielles Chapter wurde in Nepal eröffnet - und zwar in Kathmandu im März 2014. Daraufhin folgte das Chapter UAE im April 2015. Im Moment sind einige Chapters (wenn auch noch nicht offiziell so genannt) aktiv und auf dem Weg zur Gründung, unter anderem handelt es sich um Hong Kong, Seoul, Zypern, Bergen und Oslo. Wir hoffen natürlich, dieses Jahr auch in der Schweiz die ersten beiden offiziellen Chapters eröffnen zu können. Zur Diskussion stehen hierfür Passugg und allenfalls noch Zürich.

Was steht für die SSTH-Alumnis für dieses Jahr auf dem Programm?

Unser nächster offizieller Anlass in der Schweiz findet am 7. Mai 2016 statt. Unsere Studenten organisieren das 14. International Food Festival in Passugg. Zu diesem Anlass kann die SSTH jedes Jahr rund 100 Alumni begrüssen, welche die Gelegenheit wahrnehmen, sich zu treffen und auszutauschen. Doch das Food Festival ist nicht nur für Schweizer Alumni gedacht, sondern generell für alle Alumni – von überall her. Zum aktuellen Anlass haben sich bereits zahlreiche Besucher aus aller Welt angemeldet: Wir erwarten Ehemalige aus Norwegen, Südkorea, Deutschland, Italien, England und weiteren Destinationen.

Einmal SSTH, immer SSTH

Während den 50 Jahren des Bestehens der Swiss School of Hospitality and Tourism SSTH in Passugg haben mehr als 5'100 Studierende ihre Ausbildung an der Hotelfachschule abgeschlossen. Für die Studierenden und Absolventen gilt: Einmal SSTH, immer SSTH: Fast alle Studierenden halten auch nach abgeschlossener Ausbildung den Kontakt zur Schule aufrecht.

Das Netzwerk umfasst heute mehr als 5000 Alumnis aus über 100 Ländern. Das Alumni-Netzwerk der SSTH erstreckt sich dabei über sechs Kontinente. Die SSTH Swiss School of Tourism and Hospitality bildet seit 1966 junge Talente zu Fach- und Führungskräften für die Hotellerie und Gastronomie aus. Sie ist Mitglied der Ecole hôtelière de Lausanne (EHL) Gruppe.

Artikel am 28.04.2016 erschienen in der hotelrevue

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